Europa 8/9

Europa – vielFACH und vielseitig


Das Immanuel-Kant-Gymnasium ist seit Beginn des Jahres 2008 offiziell Europaschule. Der Titel wurde uns von der Landesregierung NRW verliehen, weil wir unseren Schülerinnen und Schülern in besonderer Weise die Möglichkeit eröffnen, europäische und internationale Kontakte aufzubauen und zu pflegen und damit persönliche und berufliche Chancen zu erweitern.
Das Kant-Gymnasium will dieser Auszeichnung in besonderer Weise Rechnung tragen, indem es im Rahmen der Mittelstufendifferenzierung einen Kurs zum Thema Europa anbietet.
Im Rahmen von vier Modulen, die jeweils ein Halbjahr umfassen, soll den Schülerinnen und Schülern unser Kontinent aus der Perspektive von vier verschiedenen Fächern nahe gebracht werden. Dabei soll der Unterricht bewusst schülerzentriert und handlungsorientiert organisiert werden.

1. Halbjahr: Leitfach Erdkunde

1) Gegenstände:
Die Schülerinnen und Schüler erwerben im Rahmen einer RAUMANALYSE die Fähigkeit, individuelle Räume unterschiedlicher Art und Größe in Europa unter bestimmten Fragestellungen zu analysieren.
Die folgenden geographischen Räume bieten sich im Rahmen des Themas an:
– Europa als Kontinent (Schwierigkeit der Abgrenzung)
– Gründungsländer der EU
– Länder des Mittelmeerraumes, die erst später der EU beigetreten sind
– Länder Ostmitteleuropas mit sozialistischer Vergangenheit, die vor wenigen Jahren in die EU aufgenommen wurden
– Länder mit Anwartschaft auf einen EU-Beitritt („Magnet EU“)
– Länder, die grenzüberschreitend als EUREGIO zusammenarbeiten

2) Ziele:
Die Schülerinnen und Schüler sollen in die Lage versetzt werden,
– geographische Fragestellungen an einen konkreten Raum zu richten
– zur Beantwortung dieser Fragestellungen Strukturen und Prozesse in den ausgewählten Räumen zu analysieren
– Räume unter ausgewählten Gesichtspunkten zu vergleichen
– Räume nach bestimmten Merkmalen zu kennzeichnen und sie vergleichend gegeneinander abzugrenzen.

3) Methoden:

Im Unterricht sollen folgende Methoden angewendet werden:
– fragengeleitete Analyse der Natur- und Kulturraumfaktoren (Strukturen, Funktionen, Prozesse)
– Anleitung zum Erkennen und Verstehen kausaler Zusammenhänge und zu problemhafter Reflexion
– selbstständiges, aufgabenbezogenes Auswählen und Auswerten von Material (d.h. Entwicklung von Methodenkompetenz)
– möglichst selbstständige Einordnung einzelner geographischer Erscheinungen bzw. Prozesse in einen ganzheitlichen raumbezogenen Zusammenhang
– Vertraut werden mit der sprachlichen Vielfalt in Europa (für einzelne Unterrichtsmodule werden bestimmte europäischen Sprachen ausgewählt)
– Einübung von Präsentationstechniken und des freien Vortrags
– Handlungs- und Projektorientierung: Besuch bei international agierenden Firmen in Münster-Hiltrup, Befragung von Immigranten bzw. von Migranten, Exkursion zur EUREGIO-Geschäftsstelle nach Gronau und Besuch von Einrichtungen in Enschede

2. Halbjahr: Leitfach Geschichte

Europa: Gemeinsame Lebenswirklichkeit, historisches Erbe, Zukunftsaufgabe
In diesem Modul wird die geschichtliche Entwicklung Europas und des europäischen Gedankens erarbeitet. Die Idee von der Einheit Europas und der Prozess der europäischen Integration wirft die Frage nach dem einigenden Band gemeinsamer kultureller Wurzeln und einer europäischen Kultur einerseits und den aus historischen Belastungen resultierenden hemmenden Faktoren andererseits auf. Exemplarisch werden einzelne Elemente der vielfältigen und vielschichtigen Traditionsbestände kennen gelernt.

Folgende Unterrichtsszenarien sind geplant:

· Europa als Wiege der Demokratie
· Mittelalter, Treffen von Orient und Okzident, Christentum und Islam
· Kulturelle Einheit: Renaissance und Aufklärung
· Konflikte und Balancen: Nationalismus und Kriege
· Das Haus Europa: eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe

Um den Unterricht spannend und anregend zu gestalten, folgt er bestimmten methodischen Prämissen: Der Unterricht ist besonders handlungsorientiert und projektorientiert aufgebaut, enthält Elemente des forschenden und entdeckenden Lernens und wird ergänzt durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern und in außerschulischen Lernorten.

Zudem ist geplant, einige Sequenzen bilingual zu gestalten.

3. Halbjahr: Leitfach Politik/ Sozialwissenschaften


Schwerpunktthemen:

1) (K)ein Interesse an Europa? Die Identifikation Jugendlicher mit der EU
2) Europa und die Entscheidungen der EU gehen uns alle an. Aber wer entscheidet eigentlich was und wie wird entschieden?
– Wie funktioniert die europäische Union?
– Welche Aufgaben nimmt die EU wahr?
3) Europawahl – Wahl dritter Klasse?
– Wie funktionieren Europawahlen?
– Sinkende Wahlbeteiligung: Ein Alarmzeichen für die Demokratie?
4) Beitritt zur EU – Chancen und Risiken/Was bringt die Osterweiterung?
5) EU – Quo vadis? Zukunftsperspektiven der EU

Methoden
– GrafStat: Schülerbefragung zur Identifikation mit der EU (Durchführung einer kleinen sozialwissenschaftlichen Untersuchung)
– Simulation zu Entscheidungsprozessen auf EU-Ebene zum Erlernen der europäischen Institutionen, deren Zusammensetzung, Rolle und Aufgabenbereiche. Die SuS agieren selbst als Mitglieder der Kommission, des Parlaments oder als Ministerinnen und Minister. Zudem erfahren sie, wie die EU zu gemeinsamen Abkommen gelangt und wie europäische Entscheidungen das tägliche Leben der Menschen in den einzelnen EU-Ländern beeinflussen.
– WebQuest mit der zentralen Fragestellung:
„Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Ihr Land, wenn es der Europäischen Union beitritt?“ (Themenbereiche: Wirtschaft, Politik, Ökologie, Bürgernähe), Internetrecherche
– Pro-Kontra-Debatte zu der Frage: Soll die Türkei der EU beitreten?

Sprache: Der Unterricht wird sowohl auf Deutsch als auch in Teilen auf Englisch erfolgen.

4. Halbjahr: Leitfächer Kunst/ Musik


Europa – Heimat und Fremde: Perspektiven der darstellenden Künste

a) Kunst: Ideensammlung: Mehrere Möglichkeiten (alternativ):

1.) Kreativer Ansatz:
Künstlerische Prozesse und Produkte (Bild, Film, Musik, Theater, Tanz) visualisieren aus der Perspektive verschiedener europäischer Länder
– z.B. Geschichten vom Fremdsein/Vertrautsein in der Gruppe, in der Schule, in der Familie, in dem Land, in dem sie leben etc.
– z.B. „Spiegel-Ichs“aus dem Blickwinkel eines anderen Landes
Ziel: Erleben von Verschiedenartigkeit und Vielfalt als Bereicherung und Erweiterung lokaler Einzelwahrnehmung (statt als Bedrohung); Aufbrechen von Wahrnehmungsstereotypen durch Erkunden von Fremdperspektiven

2.) Analytischer Ansatz
Vertiefte, auch handlungsorientierte Auseinandersetzung mit einer typisch europäischen Kulturepoche (Gotik/Barock/Art nouveau) als Ausdruck von politisch-gesellschaftlichen Machtstrukturen/ Lebensgefühl/ Lebensprinzipien/ Kommunikationsstrukturen /Ausdrucksformen etc.
Ziel: Erleben und Durchdringen künstlerischer Produkte als Ausdruck kulturtypischer Sichtweisen vom Menschen und der ihn prägenden Strukturen und Werte

3.) Vergleichend-analytischer Ansatz
Handlungsorientierte, vergleichende Auseinandersetzung z.B. mit Riten und Ritualen („Benimm-Kurs“, Kleiderordnungen, Machtsymbole, regionale Verzehrgewohnheiten) in Europa und anderen (überwiegend asiatisch geprägten? überwiegend muslimisch geprägten? …..) Kulturen .
Ziel: Erleben und Durchdringen von Kulturprodukten als besonderen Zeichen für kulturtypische Lebensformen, Menschen- und Gesellschaftsbilder

b) Musik:

Die beispielhaft dargestellten Themen und Unterrichtsvorhaben umfassen jeweils mehrere Unterrichtswochen und können in unterschiedlicher Form zum Gegenstand einer schriftlichen Arbeit oder einer praktisch durchzuführenden Prüfung gemacht werden.

1. Wassermusik: Damals und heute …

Aus der Begegnung mit dem historisch-höfischen Europa erwächst ein Konzept zur Produktion eigener Werke zum Thema „Wasser“. Hierbei ist der Einsatz der verschiedensten musikalischen Mittel und Medien erwünscht. Das Spektrum kann vom selbst gesungenen und eingespielten Song über Coverversionen bis hin zu lautmalerischen Szenarien reichen. Die Schüler entwickeln von den Ideen bis zum fertigen Produkt alles selbst. Der Lehrer unterstützt die mediale Umsetzung der Vorhaben.

2. Zeiten in Europa: Raumklang – Klangraum: Entstehung des Stereo

Schon in der Renaissance liebten es die Menschen, rundum beschallt zu werden. Aus dem musikalischen Wettstreit (concerto: streiten, kämpfen) wurde mehr als nur eine kleine Vorliebe. Ganze Epochen ermöglichten durch spezifische Bauformen den räumlichen Zusammenklang von Musik, wie wir ihn heute noch mögen. Ein Streifzug durch die Musikgeschichte, der auch durch den Besuch von Kirchen und Schlössern des Münsterlandes nicht nur akustische Perspektiven öffnet.

3. Von Oi bis Türkü: „Kanak“ my name – ich heiße Mensch!

Ausgehend von traditionellen Grundlagen der türkisch-arabischen Kultur erfahren die Schüler, wie eng oft die Vernetzung zwischen den Kulturen in ihrem musikalischen Alltag ist. Es wird viel Raum sein, die vermeintlich andere Musik zu hören, sich mit ihr auseinanderzusetzen und auch selbst musizierend Erfahrungen „zwischen den Kulturen“ zu sammeln

4. Total verknallt – Alles dreht sich um Liebe

Die Begegnung mit Liebesliedern und Musik aus verschiedenen Regionen und Zeiten soll die Schüler inspirieren, selber Musik zu schreiben. Hierbei stehen auch der Einsatz und die Verwendung verschiedener Rechnerprogramme im Vordergrund, mit deren Hilfe Ideen praktisch umgesetzt werden.

5. Musik: Eine universale Sprache

Am Beispiel von Musik verschiedener Epochen und Länder wird deutlich, wie umfassend die internationale Sprache MUSIK ist. Hierbei werden die Schüler erfahren, wie direkt unser eigener Zugang auch zu musikalischen Mitteln vermeintlich fremder Kulturen ist. Programmatische Werke wie Borodins „Steppenskizze“ nehmen uns mit auf die Reise in ferne Länder und Kulturen. Im Fokus steht aber auch hier wieder neben der Begegnung die praktische Erfahrung im Umgang mit Musik.


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