Geschichte seit 1974

Wie kann man zehn umfangreiche Chronikbände und zehn Zweijahresberichte in einem notwendigerweise begrenzten Beitrag wiedergeben? Man kann es nicht – es sei denn man beschränkt sich auf Wegmarken, an denen das Leben an unserer Schule für die geneigte Leserin und den geneigten Leser beispielhaft Gestalt gewinnt: Auf ein solches Unterfangen will ich wagen mich einzulassen. Ich sehe ab von einer chronologischen Schilderung zugunsten einer Darstellung, die unter thematischen Gesichtspunkten einzelne Entwicklungsstränge innerhalb des vielfältigen und vielschichtigen Geschehens von 25 Jahren aufzeigt. So hoffe ich einen schnelleren Überblick über die Schulgeschichte zu ermöglichen.

Der Beginn

1974 fand sich vor dem Gebäude der Alten Clemensschule in Hiltrud der erste Jahrgang mit 67 Schülerinnen und Schüler ein, begrüßt vom ersten Leiter des neuen Gymnasiums, Süd H. Plettendorff, und Dr. F. Tölle, Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Hiltrup. Das private Kardinal-von-Galen-Gymnasium konnte nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler des Einzugsbereichs Hiltrup, Amelsbüren, Berg Fidel-Süd, Rinkerode und Drensteinfurt aufnehmen, der schnelle Bevölkerungszuwachs hatte die Gründung unseres Gymnasiums notwendig gemacht. Das Lehrerkollegium und die Schülerschaft nahmen schnell an Zahl zu. Als im März 1976 StD Plettendorff als Leitender Regierungsschuldirektor in das Schulkollegium Münster berufen wurde, leitete StD P. Subbe mit Umsicht zwischenzeitlich die Schule bis zum 31.01.1977, besonders bemüht um die weitere Planung der Einrichtung eines neuen Schulgebäudes. StD P. Subbe wurde am 15.10.1976 zum Ständigen Vertreter des Schulleiters ernannt, die Schulleitung übernahm am 01.02.1977 StD W. Borgmann. Von Beginn an wurde die Arbeit der Schule/der Schulleitung unterstützt durch ein sehr leistungsfähiges Sekretariat (M. Buer, E. Sadowski).

Das Schulgebäude

Wir alle verfolgten mit großem Interesse das Entstehen unseres eigenen Schulgebäudes. Die Planungen hierfür reichen bis in das Jahr 1974 zurück. Im Frühjahr jenes Jahres erhielt das Architekturbüro B. Elkendorf und H.-J. Mense aus Hiltrup den Auftrag für das Bauvorhaben: ein dreigeschossiges Gymnasialgebäude im Schulzentrum an der Westfalenstraße, das sich an die vorhandenen Schulgebäude der Realschule und der Hauptschule anschließen sollte. Der Schulträger, die Stadt Münster, sowie das Land NRW stellten in großzügiger Weise die Mittel für eine funktionale Raumgestaltung und eine gute Ausstattung bereit, für die Architekten, Schul- und Hochbauamt und vor allem auch die einzelnen Fachschaften des Kollegiums Sorge trugen: eine Investition, die sich für unsere tägliche Unterrichtsarbeit bis heute ausgezahlt hat.
1978 konnten wir mit Schuljahrsbeginn einziehen, dringend benötigten wir die neuen Räumlichkeiten, wurden doch allein zum Schuljahrsbeginn 1979/80 165 Fünftklässler angemeldet, eine Zahl, die die Attraktivität der jungen Schule spiegelte.
Mit Eintritt in die Oberstufe im Jahr 1980 wurde eine bauliche Erweiterung notwendig, war das Gebäude doch bisher nur für eine Sek. I-Stufe gedacht. Nach langen Bemühungen gelang es uns, den Oberstufentrakt als Flügel des Sek. I-Gebäudes gebaut zu bekommen. Dieser Flügel, der neben den Oberstufenräumen eine neue Chemie- und Kunstraumgruppe sowie ein Sprachlabor enthielt, ergänzte nun das bestehende Gebäude zu einem Geviert um einen Innenhof, den gesamten Gebäudekomplex zu einer geschlossenen Einheit zusammenfassend. Unsere Architekten machten es sich zudem zusammen mit dem Gartenbauamt und der Gartenarchitektin E. von Helmholt zur besonderen Aufgabe, den neuen Innenhof gestalterisch für das Schulleben nutzbar zu machen: Das um ein Stockwerk abfallende Gelände wurde durch Treppen aufgefangen, somit einen natürlichen „Theaterraum“ bildend, in dem wie vor einer Tribüne Theaterstücke gespielt, Versammlungen abgehalten, Konzerte aufgeführt werden können.

Kunst am Bau

Bodo Schramm, der schon die künstlerische Ausgestaltung des Sek. I-Gebäudes vorgenommen hatte, indem er durch Farbpaneele in den Gehbereichen – vor allem an Brennpunkten – ein Farbgefüge entstehen ließ, das den Blick abfängt, auf sich zieht, setzte diese Farbakzente durch den Innenhof hindurch in den neuen Flügel fort. „Eine Schule des 20. Jahrhunderts“ schrieb die Presse, als am 03.03.1982 dieser vorerst letzte Teil unseres Schulgebäudes eingeweiht wurde.

Die neue Bauphase

Jetzt, 16 Jahre später, wird ein neuer Akzent gesetzt. Immer deutlicher wurde, dass das für Dreizügigkeit errichtete Gebäude – trotz Nutzung mehrerer Schulräume in der benachbarten Stadthalle – nicht ausreichte, da immer wieder auch vier Parallelklassen aufgenommen werden mussten und die Oberstufe zumeist fünfzügig lief. Alle im Rat vertretenen Parteien wie die betroffenen städtischen Ämter und schließlich auch das Land NRW, vertreten durch die Bezirksregierung, stimmten der Errichtung von 10 weiteren Unterrichts-/Fachräumen zu und vor allem auch einem pädagogischen Zentrum, das wir im täglichen Unterrichtsalltag wie darüber hinaus für die vielen Aktivitäten des Kant-Gymnasiums dringend benötigen. Im Herbst 1998 erfolgte der erste Spatenstich für dieses pädagogische Zentrum, dem Osteingang der Schule vorgelagert, tägliche Pausenhalle, Probenraum für Theater, Konzerte und Musicals und natürlich Aula für Aufführungen auf fest installierter Bühne mit Regieraum, das Schulleben unterstützend und bereichernd und zur „Öffnung von Schule“ beitragend. Eine Art ‚Penthaus‘, aus Glas und Stahl auf das 2. Obergeschoss aufgesetzt, nimmt 4 zukunftsweisende Fachräume auf und 6 Klassenräume. Auf dem Dach entsteht eine Plattform für die Astronomie-AG und eine Photovoltaikanlage zu Demonstrationszwecken für Stromerzeugung mit natürlichen Ressourcen: ein Vorhaben, das im Rahmen des Öko-Audit-Pilotprojekts zu sehen ist, an dem unsere Schule im Bemühen um energiesparendes Verhalten teilnimmt.

Die Pausenhöfe

Die Stadtrandlage der Schule ermöglicht eine großzügige Pausenflächengestaltung. Der große Osthof, auf dem das abfallende Gelände geschickt durch Terrassierung abgefangen wurde, so dass sich auf natürliche Weise Ruhezonen gegen Spielzonen abgrenzen ließen, ist bisher schon ausgestaltet mit Rasenhügel, Tischtennisplatten, Basketballkorb, Sitzgruppen, Spielfeld für ein schnelles Fußballspiel in der Pause, und er wird nach der Gebäudeerweiterung mit ähnlichem Angebot neu angelegt. Der Innenhof wurde von der Fachschaft Kunst unter ökologischen und künstlerischen Gesichtspunkten zu einem attraktiven Pausenaufenthalt hergerichtet. Der Südhof bietet den Oberstufenschülern mit einem Rondell Sitzmöglichkeiten für Gesprächsrunden, und der Nordhof schließlich ist Vorfeld der Haupteingangsbereiche der einzelnen Schulen, die sich zusammen mit der Stadthalle Hiltrup um ihn herum gruppieren.
„Immanuel-Kant-Gymnasium“: Der Schulname
In der Gründungszeit des Gymnasiums verwendete man als Bezeichnung dieser neuen Schule den Namen „kommunales Gymnasium“, um es in der damals noch selbständigen Gemeinde Hiltrup von dem privaten Gymnasium, der Kardinal-von-Galen-Schule, zu unterscheiden. Nach der Eingemeindung Hiltrups sprach man vom „Städtischen Gymnasium Hiltrup“. Nicht selten jedoch führte der Umstand, dass es im Stadtteil Hiltrup zwei Gymnasien gibt, zu Verwechslungen; so erschien es bald notwendig, das neue Gymnasium eindeutig zu benennen. Zu diesen praktischen Erwägungen kam der Wunsch, einen besonderen, unverwechselbaren Namen zu finden, unter dem sich unsere Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule identifizieren können. Vom Kollegium, aus der Schüler- und Elternschaft kam es bald zu vielen Vorschlägen. Schulpflegschaft und Lehrerkollegium stellten schließlich nach mancher Diskussion den Namen des Philosophen Immanuel Kant an die Spitze einer kleinen Zahl besonders favorisierter Namen. Zum guten Schluss ließen folgende von einer breiten Mehrheit des Kollegiums gestützte Gesichtspunkte die Schule dann die Bitte an den Rat der Stadt Münster richten, das Städt. Gymnasium nach Immanuel Kant zu benennen. Ist es doch besonders der Philosoph Immanuel Kant gewesen, der die Grundprinzipien der Erziehung und Bildung, wie sie im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankert sind, in das philosophische Denken der Neuzeit eingebracht hat. Nach Kant müssen Ziel und unentbehrliche Grundlage der Erziehung freiheitliche Entfaltung der Persönlichkeit sein; das Sich lösen von Fremdbestimmung: „sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen bedienen können“. Diese Persönlichkeitsentfaltung darf nicht zu ungebundener Willkür führen, sondern soll in sozialer Verantwortung erfolgen, d.h. in Achtung vor der Persönlichkeit, die mir im Mitmenschen begegnet: Nach Kant soll das menschliche Handeln so ausgerichtet sein, dass es „jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“. Hat der ostpreußische Philosoph Immanuel Kant auch nie seine Heimatstadt Königsberg verlassen, so war er doch im Reiche des Geistes weltweit zu Hause und kämpfte für die „Vernunftsidee einer friedlichen, durchgängigen Gemeinschaft aller Völker auf Erden“. Damit ist Kant im Bemühen um eine Erziehung zu internationaler Verständigung und weltweitem Frieden Mahner bis in unsere Zeit geblieben. Wir meinen, dass durch den Namen Kant im Schulnamen ein Philosoph geehrt wird, dessen Prinzipien und philosophische Ideen für die ganze Schulgemeinschaft Hinweis und Mahnung sein können, herausfordernde Erinnerung an Werte und Ziele für unseren Bildungsauftrag. Auch praktische Erwägungen wollten wir bei der Benennung unserer Schule beachten: Der Name sollte kurz, prägnant und wohlklingend sein. In der Folgezeit stellte sich dann bald heraus, dass die – verkürzte – Form „das Kant“ zu einem Begriff wurde.

Kunst im „Kant“

Beim Gang durch das Schulgebäude nimmt der aufmerksame Beobachter die Vielzahl der ausgestellten Kunstobjekte wahr. Sie spiegelt das künstlerische Schaffen im Kunstunterricht und in Arbeitsgemeinschaften wie der Foto-AG wider. Dem Fach Kunst gebührt hier besonderer Dank, dass sie in den vielen Vitrinen, an den Wänden in Fluren und Klassenzimmern Gelegenheit geben, Einblick zu nehmen in ihre Arbeit, wobei gleichzeitig die ausgestellten Werke für alle Schülerinnen und Schüler Anregung und Motivation für eigenes Schaffen sein können. Für die jeweiligen ‚Schöpfer‘ der ausgestellten Objekte bedeutet es natürlich Genugtuung, die eigene Arbeit für die Ausstellungen ausgewählt zu sehen, und Freude, wenn sie Anerkennung finden. Selbstverständlich muss dabei auch gelernt werden, Kritik hinzunehmen und zu üben. Die Ausstellungen sind nicht nur auf das Schulgebäude begrenzt, sondern finden auch immer wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit, besonders wenn dies im Rahmen erfolgreicher Teilnahme an Wettbewerben geschieht und thematisch bestimmte Ziele gesetzt waren, so z.B. „Schüler zeigen Flagge gegen Fremdenhass und Rassismus“, „Ökologisches Bauen“, „Jugend gegen Gewalt“, „Eine Fahne für den 25. Earth Day in New York“ u. a. m. Auch gehen Ausstellungen nicht nur auf das Fach Kunst und die Foto-AG zurück, sondern auch auf die Naturwissenschaften, so in den Schaukästen der Biologie und Physik, auf die Gesellschaftswissenschaften, z.B. als Auswertung von Unterrichtsergebnissen zu Problemen der Umweltbelastung, der Kinderarbeit, des Wählerverhaltens im politischen Leben etc., auf Arbeitsgemeinschaften wie die der Philatelisten, Astronomen, Geschichtler, Amnesty International.

Schulentwicklung / Schulprogramm

In den Jahren des äußeren und inneren Auf- und Ausbaus wuchs die Schule schnell zu beachtlicher Größe heran. Es waren Jahre, in denen das Kollegium auf über 60 Mitglieder anwuchs, die Schülerzahl kurzfristig die Zahl Tausend überstieg und in denen die ganze Schulgemeinde das Gesicht der Schule prägte – einer jungen, dynamischen, ideenreichen Schule, einer Schule, die im Kantschen Sinn das ´Sapere aude´ zu ermöglichen sucht, um die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewussten Mitgliedern unserer Gesellschaft heranwachsen zu lassen.
Inzwischen hat sich die Schülerzahl auf ca. 850 Schülerinnen und Schülern eingependelt. Diese Schülerzahl ist einerseits noch überschaubar, andererseits ermöglicht sie in der Oberstufe ein gutes Kursangebot, das für unsere Schülerschaft wie die des benachbarten privaten Kardinal-von-Galen-Gymnasiums noch erweitert wird durch Kooperation unserer beiden Schulen. Der Unterricht konnte bisher gemäß den Regelungen des Landes NRW – bei nur gelegentlichen geringfügigen Kürzungen – durchgeführt werden. Wertvolle Impulse für die Unterrichtsgestaltung erwuchsen aus einer großen Bereitschaft des Kollegiums, sich auf Fortbildungsveranstaltungen weiterzubilden, ferner aufgrund von Beratertätigkeit einer Reihe von Kollegen in der Bezirksregierung, durch Mitarbeit einzelner Kollegen am Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest und schließlich durch eine nicht zu unterschätzende Verbindung zum Kultusministerium bzw. – heute – Ministerium für Schule und Weiterbildung. So waren schon in den 70er Jahren Kollegen an der Erarbeitung der damals neuen Oberstufenrichtlinien beteiligt, anschließend wurde das Kant-Gymnasium in den Kreis der Gymnasien berufen, die die Umsetzung dieser Richtlinien in den Fachschaften dokumentierten und auswerteten, um die Ergebnisse für die gesamte gymnasiale Schullandschaft nutzbar zu machen. Auch an der zur Zeit laufenden Neubearbeitung der Oberstufenrichtlinien sind Lehrer unserer Schule beteiligt, ihre Erfahrungen fließen in die Fachschaftsarbeit unserer Schule ein, tragen bei zum Nachdenken über das Erreichte, zu Diskussionen über neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Unterrichtsdidaktik und -methodik, zum Ausprobieren neuer Wege bei der Unterrichtsgestaltung.
1991 trat das Ministerium an uns heran, um uns in einen Ländervertrag Nordrhein-Westfalen – Ohio (U.S.A.) aufzunehmen, verbunden mit einer Schulpartnerschaft mit einer amerikanischen Highschool und der Einführung eines bilingualen Zweiges: Die Schulkonferenz stimmte dem zu, um zukünftigen Erfordernissen intensiver Sprachkenntnisse Rechnung zu tragen.
Mitte der 90er Jahre wurden wir vom Ministerium eingeladen, in einem Ausschuss von 20 Gymnasien, vertreten durch die Schulleiter, an Handreichungen zur Entwicklung von Schulprogrammen mitzuarbeiten, die einen inneren Reformprozess in den Schulen des Landes in Gang setzen sollen. Die Mitarbeit in diesem Ausschuss hat sicherlich dazu beigetragen, dass das Kant-Gymnasium selbst recht früh mit der Erarbeitung eines schulinternen Schulprogramms begann. Nach vorbereitenden Konferenzen und einem Studientag des Lehrerkollegiums setzte eine intensive Arbeit der Fachschaften ein, einen schulinternen Lehrplan für die Sekundarstufe I zu entwickeln, mit dem besonders folgende Zielvorstellungen verbunden sind:
• Information für die Fachlehrerinnen und -lehrer, die in einer Klassen, in einem Jahrgang, in Folgejahrgängen unterrichten, und somit:
• Sicherung kontinuierlichen, aufeinander abgestimmten Unterrichts;
• Vermeidung einer Dopplung von Unterrichtsinhalten;
• Aufzeigen von Möglichkeiten, bestimmte Themenbereiche in verschiedenen Fächern unter jeweils fachspezifischen Aspekten zu behandeln;
• Absprache über verbindliche, fachübergreifende Arbeitsweisen und deren Einführung (z.B. Lernmethoden, grammatisches Begriffsvokabular, Umgang mit Texten, Erstellen von Referaten und Protokollen);
• Absprache über Projektarbeit.
Dieser schulinterne Lehrplan für die Sek. I, ergänzt durch Überlegungen zur Umsetzung der angekündigten neuen Oberstufenrichtlinien, bildet einen Teil unseres Schulprogramms.
Parallel zur Arbeit der Fachschaften hat ein Arbeitskreis aus Lehrern, Eltern und Schülerinnen und Schülern in vielen arbeitsreichen Sitzungen die Ziele eines kantspezifischen Erziehungs- und Bildungsauftrags formuliert. Hierzu verweise ich auf den besonderen Beitrag in dieser Schrift.
Die Dokumentation im Schulprogramm ist nur Mittel zum Zweck: innezuhalten und zu überdenken, was erreicht worden ist, dabei sich zu vergegenwärtigen, was an wertvoller Tradition fortgesetzt werden sollte und Impulse zu gewinnen für neue Zielsetzungen, die in Zukunft für die Schülerinnen und Schüler erstrebenswert sein mögen. So ist das Schulprogramm nicht etwas Festgeschriebenes, sondern es wird immer wieder überprüft und verändert werden müssen.

Elternschaft und Schule

Schulische Ausbildung und Bildung sind immer im Beziehungsdreieck Schule – Eltern – Schüler/innen zu sehen. Es darf wohl gesagt werden, dass unsere Elternschaft insgesamt der Schule gegenüber von Beginn an sehr gewogen gewesen ist. Und nicht nur, weil es ein Schulmitwirkungsgesetz gibt, haben sich unsere Eltern aktiv an der Gestaltung des Schullebens beteiligt.

Sehr gut ist stets die Zusammenarbeit mit den Schulpflegschaftsvorsitzenden gewesen: in den Jahren des Aufbaus mit Dr. Dieter Offergeld, der nach 11 Jahren abgelöst wurde von Prof. Martin Korda; seit 1990 führt nun Helmut Neuhaus die Schulpflegschaft. Die Schule dankt ihnen für das große Engagement, und gern zitiere ich Gedanken des ersten Vorsitzenden Dr. Dieter Offergeld, die ihn bewegten, als er in der Schulschrift 1986 in einem Beitrag Blick zurück – aber nicht im Zorn seine Tätigkeit beschrieb: „Meine Aufgabe gebe ich mit dem gleichen Gefühl zurück, mit dem Eltern ihre Kinder nach dem Schulabschluss in das Leben zu entlassen pflegen: Man freut sich, aber in dem Becher der Freude gerinnt ein unverkennbarer Tropfen Wehmut. Wehmut der Erkenntnis, dass etwas unwiederbringlich vorbei ist: In einem Kreis engagierter Eltern, aufgeschlossener Lehrer und mit einer verständnisvollen Schulleitung das Glück gehabt zu haben, gemeinsam etwas für diese Schule, gemeinsam etwas für unsere Kinder gestalten zu dürfen. Und diese Freude sollte nicht das schlechteste Gefühl sein, mit dem sich ein Vater mit den besten Wünschen für eine weiterhin gute Zukunft von einer Schule verabschiedet, die in diesen letzten 11 Jahren unversehens auch so etwas wie seine Schule geworden ist.“
Der Schulförderverein. Zu besonderem Dank ist die Schule verpflichtet allen Mitgliedern des Fördervereins und hier besonders dem ersten Vorsitzenden Dr. D. Offergeld und dem ersten Kassierer F. Wenking, die von 1975 – 1986 in zwei wichtigen Funktionen den Verein mit auf- und ausgebaut haben, und ihren Nachfolgern im Amt H. Neuhaus und Dr. A. Preuß, die ihn ebenso tatkräftig weiterbetreuen. Auch wenn der Schulträger für die Ausstattung der Schulen verantwortlich ist, bleiben im täglichen Schulleben viele Wünsche offen, die zu erfüllen der Schulträger nicht verpflichtet oder nicht in der Lage ist. So benötigt man immer wieder technische Geräte im naturwissenschaftlichen Bereich, Medien in allen Fachbereichen, Bücher für die Schülerbücherei, Ausstattung für Schülerarbeitsgemeinschaften und -spielgruppen und manche andere Dinge, für deren Beschaffung die Mittel des Schuletats nicht (oder nicht mehr) in Anspruch genommen werden können. Mit über DM 320.000,– haben die Mitglieder – also im Wesentlichen die Eltern – der Schule geholfen, die Lehr- und Lernsituation unserer Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Und worum „dreht“ sich alles in der Schule? Natürlich um die Schülerinnen und Schüler, um ihre persönliche Förderung wie auch um die Forderungen der Gesellschaft, die sie zukünftig im Sinne des allgemeinen Wohls mit gestalten müssen. Mitgestaltung aber können sie auch schon im Schulleben leisten, und ich möchte einen ehemaligen Schülersprecher, Sebastian Müller, zu Wort kommen lassen, der in der Schulschrift 1992 über Sinn und Zweck der Schülervertretung nachdenkt und Fragen zur Notwendigkeit des Engagements im Rahmen der SV-Arbeit formuliert: „Ich habe mir diese Fragen gestellt, aber im gleichen Atemzug darüber nachgedacht, wie unser Schulalltag denn aussähe, wenn es keine SV gäbe und gegeben hätte. Es würde keine SV-Cafeteria existieren, es hätte keine Schülerproteste gegen den Golfkrieg gegeben, keine SOS-Konzerte, keine Diskussionsstunden, keine Fußballturniere, kein SV-Seminar, keine Podiumsdiskussionen… Man könnte die Aktionen der SV noch fortführen.“ Er fährt fort, wie wichtig es ist, die Position der Schülerschaft im täglichen Schulleben zu vertreten, und fordert: „Ziel von SV-Arbeit in der Schule – zu der man nun einmal gehen muss – sollte es sein, dass man die Schule mit all ihren Erscheinungsformen so gestaltet, dass es Spaß macht, dorthin zu gehen! Dieser Prozess des Gestaltens ist jedoch nur über Einflussnahme auf die Organe der Schule und der Regierung zu erreichen, die für das Erscheinungsbild einer Schule verantwortlich sind. Falls Schüler/innen diesen Prozess nicht dauerhaft fortführen, wird der Schulalltag trist und Schüler/innen zu Spielbällen bzw. passiven Elementen werden. Auch in Zukunft wird es Probleme und Ereignisse positiver und negativer Art geben, mit denen sich Schüler/innen auseinandersetzen sollten. In diesem Sinne kann ich nur hoffen, dass sich auch in kommenden Zeiten Schüler/innen bereit erklären werden, Verantwortung zu übernehmen und Veranstaltungen zu planen.“ Wie Sebastian Müller haben viele seiner Vorgänger/innen und Nachfolger/innen im Amt Engagement und Verantwortung bewiesen und zusammen mit den anderen Mitwirkungsgremien Schulleben positiv mitgestaltet.

 

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