Kunst verbindet: Petrykivka Malerei meets Münster

Kunst verbindet: Petrykivka Malerei meets Münster

Im Rahmen des Besuchs ukrainischer SchülerInnen aus Winnyzja haben wir vom Immanuel Kant Gymnasium gemeinsam mit dem Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Hiltrup ein Kunstprojekt gestartet, das mehr sein wollte als ein Workshop: Es sollte ein Zeichen der Begegnung und des Miteinanders setzen. Die Entscheidung fiel auf eine Kombination aus Upcycling und Petrykivka-Malerei – eine Idee, die von unserer Kunstlehrerin Sabine Wilmsmeier geplant und vorbereitet wurde. Gemeinsam mit Kolleginnen beider Schulen begleiteten wir die Schülerinnen und Schüler durch Entwurf, Ausführung und Finish.

Die Wahl der Petrykivka-Malerei war bewusst: Diese ukrainische Volkskunst trägt eine starke Symbolik in sich – Ranken als Sinnbild von Verbundenheit, Blumen und Beeren als Zeichen von Leben und Hoffnung, Vögel als Boten des Aufbruchs. Indem wir diese Formen mit Münster-Motiven wie Dom und Prinzipalmarkt verbanden, entstand eine Bildsprache, die beide Städte und ihre Geschichten gleichzeitig sichtbar macht. Die Kunst wurde so zur Übersetzerin: traditionelle ukrainische Zeichen nahmen die Silhouetten unserer Stadt in sich auf, und Münsteraner Wahrzeichen wurden durch florale Ornamente in eine neue, gemeinsame Erzählung eingebettet.

Praktisch begann das Projekt ganz handwerklich: Zuerst übten die Jugendlichen die vier Grundstriche der Petrykivka-Technik – „Kamm“, „Samen“, „Nuss“ und zweifarbige Übergänge – und entwarfen dann Motive für Hocker und Jutebeutel. In gemischten Teams wurden die Entwürfe umgesetzt, korrigiert und weiterentwickelt. Das Upcycling-Prinzip machte aus Gebrauchsgegenständen sichtbare Erinnerungsstücke: Aus alten Hockern wurden Sitzgelegenheiten mit Geschichte, aus einfachen Taschen Trägerinnen und Träger gemeinsamer Bilder. Am Ende schützte ein Klarlack die Arbeiten – und machte die Verbindungen wetterfest.

Die Stärke des Projekts lag weniger in perfekter Technik als in gemeinsamer Arbeit und symbolischer Gestaltung. Durch die Kombination von z.B. ukrainischen Ranken mit Münsteraner Architektur wurden aus zwei losgelösten Elementen etwas Ganzes. Wenn eine Schülerin aus Winnyzja eine Blüte malte und ein KANT-Schüler sie in eine Stadtszene einfügte, geschah mehr als Kooperation — es entstand ein visuelles Gespräch, das über Sprache hinaus reichte. So wurden Motive zu Zeichen, und Zeichen zu Bezügen.

Ein Teil der gestalteten Hocker bleibt an unseren Schulen in Hiltrup, ein anderer reist mit als Erinnerungen nach Winnyzja. Die gestalteten Objekte machen Begegnung sichtbar und alltagsnah: Durch Upcycling werden aus gebrauchten Dingen gemeinsame Erinnerungsstücke mit Bedeutung.

Und trotz des glänzenden Lacks liegt der wahre Wert in den menschlichen Momenten — in Blicken, einfachen Worten und Händen, die einander den Pinsel reichen — aus Pinselstrichen werden Gespräche, aus Mustern Begegnungen.