Lasses Auslandspraktikum auf der Alm

Lasses Auslandspraktikum auf der Alm

Ende der Q1 stand bei uns das Schülerpraktikum an, und ich hatte erfahren, dass man ein solches Praktikum auch im Ausland machen kann. Dadurch bin ich auf das Erasmus+-Programm gestoßen.

Da ich gerne wandern gehe und in der Natur bin, habe ich mir überlegt, ein Praktikum auf einer Alm zu machen. So habe ich Kontakt zu mehreren Almen in den Alpen aufgenommen.

Die Zittraualm in Österreich hatte mir schließlich zugesagt. Los ging es dann Ende Juni mit dem ICE ins Salzburger Land nach Bad Gastein. Von dort aus ging es mit der Gondel auf den Stubnerkogel. Mein Arbeitsplatz und Schlafplatz für den nächsten Monat war die Zittraualm, eine urige Alm, die auf 1872 Metern liegt.

Auf der Alm habe ich gemeinsam mit dem Juniorchef, einem weiteren Praktikanten aus Österreich, mit dem ich mir auch das Zimmer geteilt habe, und dem Hund Asta gelebt. Die Wohnsituation war sehr urig: Beheizt wurde meist nur die Stube beziehungsweise die Küche durch einen Holzofen. Ansonsten war es auf der Hütte recht kühl.

Auch die Temperaturen zeigten sich ganz anders als im Münsterland, denn schon Anfang Juli fielen die Werte nachts teilweise in den einstelligen Bereich. Die Dusche und das Waschbecken befanden sich ganz unten im alten Kuhstall. Der Almbetrieb hatte von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, wobei der Montag als Ruhetag galt.

Während meines Aufenthalts auf der Alm war ich im täglichen Betrieb der Küche sowie in der Landwirtschaft eingesetzt. Meine Hauptaufgabe bestand darin, die Jausen für die Gäste zuzubereiten. Dazu gehörte morgens das Schneiden von Käse und Wurst sowie das Vorbereiten aller weiteren Jausen-Zutaten. Zu meinen morgendlichen Aufgaben zählten außerdem das Einheizen des Holzofens, das Ausräumen der Spülmaschine und die allgemeine Sauberhaltung der Alm.

Für das Essen am Morgen, Mittag und Abend war ebenfalls immer einer von uns zuständig. Je nach Wetterlage war die Alm unterschiedlich stark besucht: An schönen Tagen und vor allem an Wochenenden gab es in der Küche viel zu tun, wobei neben der Essenszubereitung auch das Spülen des Geschirrs und das Sorgen für Ordnung im Fokus standen. An Tagen mit weniger Betrieb oder außerhalb der Öffnungszeiten haben wir uns intensiv um die Tiere und das Gelände gekümmert.

Morgens vor Beginn der Arbeit und nachmittags nach Schließung der Alm wurden die Kühe gemolken. Insgesamt gehörte zu unseren Aufgaben bei den Tieren, sie zu versorgen, zu pflegen, sie auf andere Weiden umzutreiben, wobei uns auch Hund Asta treu zur Seite stand. Dazu zählten außerdem das Kontrollieren und Reparieren von Zäunen sowie das Schneiden von Gras mit der Motorsense.

Trotz der Arbeit bot die Umgebung einen enormen Freizeitwert. Nach Feierabend und an meinen freien Tagen bin ich oft wandern gegangen, um die Natur und die abgelegene Lage auf dem Berg zu genießen – so führte mich mein Weg abends häufig auf den 2400 Meter hohen Hausgipfel, um die Sonnenuntergänge zu beobachten, oder ich nutzte den freien Montag für ausgiebige Bergtouren, bei denen ich sogar einmal Paragleiten durfte. Oft habe ich meine Pausen aber auch ganz gemütlich direkt hinter der Alm verbracht – zusammen mit Hund Asta und mit einem unvergesslichen Blick auf das Tal und die umliegenden Berge.

In den vier Wochen habe ich mich in vielen Bereichen enorm weiterentwickelt – neben Selbstständigkeit und Teamarbeit konnte ich wertvolle Einblicke in die Gastronomie, die Tierpflege und die gesamte Almbewirtschaftung gewinnen.

Natürlich war es zu Beginn eine große Umstellung des Alltags, da man komplett von allem, was man zuvor hatte, abgeschottet ist, für eine Zeit auf einem Berg lebt und sich erst an dieses besondere Leben gewöhnen muss.

Obwohl in beiden Ländern Deutsch gesprochen wird, gab es aufgrund des dortigen Dialekts (der in jedem Tal anders ist) Momente, in denen man die Einheimischen untereinander kaum verstanden hat und nachfragen musste. Manchmal hatten Begriffe bei uns eine völlig andere Bedeutung, was am Esstisch für einige Lacher und tolle Gespräche gesorgt hat.

Die unberührte Natur, die Ruhe auf der Alm, die tolle Gemeinschaft mit dem Team und das tägliche Leben im Einklang mit den Tieren haben diese Zeit zu einer absolut bereichernden und unvergesslichen Erfahrung gemacht, für die ich sehr dankbar bin. Solltet ihr Fragen zu meinem Praktikum haben, stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung!

von Lasse Westhoff, Q2